27.04.2020

Auf Tradition gebaut: Wie in den „Berlin Decks“ Vergangenheit und Zukunft verschmelzen

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin zum größten Industriestandort Europas. Innerhalb weniger Jahre verwandelte sich die Stadt in ein Versuchslabor der urbanen Zukunft, Berlin wurde zum Inbegriff einer vernetzten Welt, in der Industrie und Kultur Hand in Hand gingen. Spitznamen wie „Spree-Chicago“ und „Elektropolis“ machten die Runde. Heute, mehr als hundert Jahre später, ist Berlin wieder Spielwiese für junge Firmen und neue Technologien. Die historischen Bauten von damals bieten Raum für moderne Ideen.

Wie viel kreatives Potenzial in der Vergangenheit steckt, beweisen auch die Berlin Decks im Norden von Moabit: Das Areal wurde bereits 1912 industriell genutzt. Der Konzern Thyssen errichtete hier ein Verwaltungsgebäude aus Backstein, das bis heute erhalten ist. Später siedelten sich in der Umgebung weitere Manufakturen an: Sachsen produzierte in der Nachbarschaft Porzellan, AEG schuf Glühbirnen und Borsig stellte Dampflokomotiven her. Nun belebt BEOS das Gelände am Spreekanal neu – mit dem Ziel, das industrielle Erbe verantwortungsvoll und sinnvoll weiterzuentwickeln. Während die historische Identität und Innovationskraft des Orts sichtbar bleibt, wächst gleichzeitig ein Experimentierfeld für Unternehmen. Eingebettet in eine Campusarchitektur, die Platz für grüne Oasen und Rückzugsräume bietet, verbinden die Berlin Decks klassischen Büroalltag mit flexiblem Co-Working.

Wo der Bestand es zulässt, werden Baustrukturen kernsaniert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht: Das Grundgerüst des Backsteingebäudes mit seinen hohen Decken bleibt dabei erhalten, ebenso wie die Fassade, die mit neuen Fenstern ausgestattet wurde. Auch im Inneren finden sich einige historische Highlights. Im Erdgeschoss stößt man auf ein originales Kaminzimmer, das in Zukunft als Konferenzraum dienen kann und die stilvolle Lichtdecke im Eingangsbereich wird auch nach Abschluss der Baumaßnahmen noch an die beinahe hundertjährige Geschichte des Gebäudes erinnern. Der Ausbau des Obergeschosses, in dessen Rahmen das Dach des Backsteinhauses erneuert wird, sorgt für die Entstehung einer weiteren lichtdurchfluteten und offenen Bürofläche mit Blick auf den Spreekanal – eine Idee, die auch Architekturstudenten des Fachbereiches IV der Beuth Hochschule für Technik Berlin im Rahmen ihres Projektmoduls „Bauen im Bestand“ präsentiert hatten.

Die „Berlin Decks“ sind mehr als ein Gewerbeareal, mehr als eine Bürofläche: Hier entsteht ein Quartier für Wissenstransfer und Zusammenarbeit, das Traditionsfirmen, Start-Ups und Handwerksbetriebe an einem Platz vereint. Und auch ein Unternehmen, das von Anfang an am Standort präsent war, kehrt zurück – Thyssen zieht im Sommer wieder ein. Gemeinsam gestaltet man die Welt von morgen, in der Zukunft und Vergangenheit ineinander greifen.

Ein Projekt der BEOS