25.05.2020

Von der Rolle: Tape Art im Berlin Decks

Den neuen Schriftzug „Berlin Decks“ auf der Fassade der Haupthalle kann man kaum übersehen. Was jedoch nicht auf Anhieb zu erkennen ist: Die Buchstaben sind weder gemalt noch gesprüht, Letter und Grundierung bestehen aus 50 Rollen Klebeband. Angebracht wurde das Logo vom Berliner Künstlerkollektiv Tape Over, das mit seinen Entwürfen weltweit auf Festivals vertreten ist.

Robert König und Lamia Michna, die Gründer, entdeckten Tape Art bereits vor zehn Jahren für sich und riefen 2011 unter den Künstlernamen ROB und LaMIa die Gruppe Tape Over ins Leben. „Lamia hatte diese Kunstform, die es damals noch nicht wirklich gab, zufällig im Rahmen ihres Studiums kennengelernt und begann, mit dem Material zu experimentieren“, erinnert sich König. „Uns fasziniert daran, dass Tape eigentlich als reiner Nutzgegenstand gesehen wird. Niemand verbindet dieses Material mit Kunst. Die Leute sind immer überrascht, wenn sie sehen, was wir damit kreieren.“

Mit Großprojekten wie der Fassadengestaltung im Berlin Decks kennt sich Tape Over aus. Vor drei Jahren stellte die Crew auf dem Berliner Messegelände einen Weltrekord für das größte transportable Tape Art-Kunstwerk auf. Auch für die Berliner Philharmonie und Marken wie Nike und Hermes haben sie bereits Konzepte aus Tape realisiert. Was die Arbeit am Spreeufer von den vorangegangenen Projekten unterscheidet, war das Ausmaß des Auftrags. In 15 Metern Höhe musste eine Fläche von 200 Quadratmetern bespielt werden. „Die Herausforderung war die Typographie selbst, da die Buchstaben um die drei Meter groß sind. Wenn man unmittelbar vor der Wand steht, bedarf es viel Erfahrung und einem sehr guten Gefühl für Proportionen.“ Realisiert wurde das Projekt von vier Mitgliedern der Künstlergruppe – neben König waren waren Michael Weingart aka Mischka, Kerim Yilmaz aka MIC und Claas Selck aka hi#claas beteiligt. Bevor sie sich auf der Hebebühne an die eigentliche Motivgestaltung machen konnten, musste die Fläche gereinigt, grundiert und mit Outlines versehen werden. „Das Beste an dem Projekt war die Aussicht“, sagt König lachend. „Wir haben ein Faible für industrielle Gebäude. Daher fanden wir den Standort von Berlin Decks echt klasse.“

Auch die Lage am Spreekanal in unmittelbarer Nähe zum Westhafen hat das Team, das mit seinem Studio in Neukölln ansässig ist, überzeugt. „Wir fühlten uns inspiriert und hätten am liebsten noch weitere Wände gestaltet.“ Ein Traumobjekt, für das König in Zukunft gerne einmal ein Mural kleben würde? „Am liebsten ein Gebäude, das sich entweder durch seine Architektur oder durch seine historische Bedeutung auszeichnet – wie das Opernhaus in Sydney.“

Ein Projekt der BEOS