04.09.2020

Wandel in den Wänden: Die Transformation des Berlin Decks

Über zwölf Monate ist es her, seit BEOS mit der Entwicklung der Berlin Decks begonnen hat. Aus dem Klinkerbau und der großen Kaltlagerhalle sollen bis 2023 ein moderner Gewerbecampus entstehen. Während das Bestandsgebäude erhalten bleibt, tritt an die Stelle der Halle, die aktuell für temporäre Zwischennutzungen offen steht, ein Multi-Level-Neubau. Mit Höfen, Dachterrassen und Flaniermeilen wird BEOS das Werksgelände nach und nach öffnen und ein neues Quartier schaffen, das den Bedürfnissen der Gegenwart nach Arbeit und Ausgleich nachkommt.

 

„Was mich an dem Gelände besonders fasziniert, ist die gelebte Historie des Standorts – hier wird seit über 100 Jahre gelebt, gearbeitet und gestaltet“, sagt Tony Paumer, der die Transformation der Immobilie begleitet. Der Anspruch, die Geschichte des Orts sichtbar zu machen und zu erhalten, steht bei allen Bau- und Modernisierungsmaßnahmen im Vordergrund. „Das Gebäude lebt von der alten, großzügigen Bausubstanz – den hohen Decken, großen Fenstern und der tollen Mauerwerksfassade. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Strukturen nachhaltig für die Zukunft fit zu machen.“ Diesem Credo folgend, wurde das Gebäude komplett entkernt, um anschließend einen neuen Innendämmputz aufzubringen. Die alten Fenster tauschte man gegen moderne Modelle aus Holzaluminium, die Ölheizung gegen einen 100%-Bio-Fernwärmeanschluss. 

Wenn die Wände des Berlin Decks‘ sprechen könnten, was würden sie wohl erzählen? In der Tat war es der Inhalt eines alten Tresors, der das Team am meisten überrascht hat. „Es sind zwar leider keine materiellen Schätze ans Licht gekommen“, meint Paumer lachend. „Aber wir konnten historische Unterlagen aus der Kriegszeit sicherstellen, die wir dem Berliner Industriemuseum übergeben haben.“

 

Auch Bauelemente wie Kamine und Fassadenstücke wurden dort, wo es möglich war, erhalten. Können sie ihrer Ursprungsfunktion nicht mehr nachkommen, bemühen sich Paumer und sein Team, einzelne Materialien wiederzuverwenden – so finden Wandstücke und Leuchten aus der alten Halle im geplanten Neubau ein zweites Zuhause. Die einstige Grandezza lebt insbesondere im sanierten Kaminzimmer wieder auf: Statt in anonymen Konferenzräumen können Mieter ihre Team-Meetings künftig hier, in eindrucksvollem Setting, abhalten. 

Aber das Alter des Baus brachte auch Herausforderungen mit sich: Die größte Schwierigkeit bestand bislang darin, die Statik ohne Planunterlagen nachzuvollziehen und zu navigieren. Auch bestätigten Untersuchungen, was der Name der benachbarten Torfstraße schon nahegelegt hatte: Der Baugrund weist in der Tiefe, historisch bedingt, organische Anteile auf, die verdichtet werden müssen. Für die Zukunft steht der Neuaufbau des Daches inklusive neuer Dämmung und der Einbau des Aufzuges an. Je nach Mieterwunsch können weitere Ausbauten dazukommen.

 

„Industrie-Areale haben ja grundsätzlich ein eher grobes Image“, meint Paumer abschließend. „Aber der Kanal, das umliegende Grün und die urbane Nachbarschaft machen das Berlin Decks zu einer Ausnahme.“ Idyllisch ist nicht nur die Lage am Wasser, sondern auch die Nähe zum Sprengelkiez. „Wie belebt und lebenswert die Nachbarschaft ist, merkt man, wenn man dort einige Mittagspausen verbracht hat.“

Ein Projekt der BEOS